Köln aus Sicht eines Rollstuhlfahrers

Vor ein paar Wochen haben wir in einem Pressebericht gelesen das Köln angeblich Rollstuhl-feindlich sein soll. Wir teilen diese Ansicht nicht. Klar, es gibt auch Schattenseiten. Aber im großen und ganzen ist Köln für Rollstuhlfahrer wirklich gut geeignet. Auf dieser Seite wollen wir Köln einmal aus Sicht eines hier lebenden Rollstuhlfahrers vorstellen. Gleichzeitig werden wir die Schattenseiten nicht verschweigen. Es soll im Laufe der Zeit eine Art "Bedienungsanleitung" für Rollstuhlfahrer in Köln enstehen.

Der größte Vorteil in Köln ist das es kaum Steigungen zu überwinden gibt. Die stärksten Steigungen sind die Rampen auf die Rheinbrücken. Und die kann man durch Nutzung der KVB leicht umgehen.

1a.) Mobil in Köln, die KVB
Das wichtigste Utensil für Rollstuhlfahrer ist der Plan "Touren ohne Treppen" der KVB. Dieser Plan enthält alle Straßen- und U-Bahn Linien der KVB incl. Erläuterungen zur rollstuhltauglichkeit der einzelnen Haltestellen. Den Plan bekommt man in jedem KVB Kundenzentrum. Man kann ihn aber auch runterladen und selber ausdrucken. Eine (ziemlich aktuelle) Liste der gerade nicht verfügbaren Aufzüge kann man hier einsehen. Einen Flyer zum Thema KVB kann man sich beim "Zentrum für selbstbestimmtes Leben" runterladen. Beim reinfahren in die Hochflur-Bahnen (Linie 3, 4, 5, 13, 16 und 18) kann es Stufen bis zu 9cm Höhe geben. Gerade für eRollstühle mit Mittelradantrieb kann es da zu kleineren Problemen kommen. Alle anderen Linien werden von Niederflur-Bahnen befahren und sind nahezu stufenlos befahrbar. Die meisten Busse im Stadtgebiet sind mittlerweile rollstuhltauglich und besitzen eine Klapprampe. Sollten Fahrer nicht bereit sein ihrer Pflicht zur Hilfe beim einsteigen nachzukommen bitte die Verwaltung der KVB unter möglichst genauer Angabe von Linie, Uhrzeit und Wagennummer informieren, der Fahrer wird dann über seine Pflichten aufgeklärt.
Wichtig : im Bereich der KVB gilt Verbot der Mitnahme von Scootern in Bussen und Bahnen. Dieses Verbot wurde geschaffen nachdem ein Gutachten bekannt wurde nachdem der Transport von Scootern in ÖPNV-Fahrzeugen nicht sicher ist. Über den Sinn dieser Maßnahme kann man sich streiten ... Fakt ist derzeit das Scooter nicht mitgenommen werden.
Rollstühle mit Kennzeichen werden mittlerweile wie jeder andere Rollstuhl auch behandelt und problemlos transportiert. Auf der Webseite der KVB kann man zu diesem Thema ein Merkblatt runterladen, das sollte eigentlich reichen um den dümmsten KVB-Angestellten zu überzeugen. Sollte es dennoch zu Problemen kommen bitte die Verwaltung der KVB unter möglichst genauer Angabe von Linie, Uhrzeit und Wagennummer informieren, der Verantwortliche kann sich dann eine Schulung zu Gemüte führen.


1b.) Mobil in Köln, die DB
Der Kölner Hauptbahnhof ist für Rollstuhlfahrer gut geeignet. Der Zugang zu allen Bahnsteigen erfolgt über Aufzüge die vom Nebentunnel aus zugänglich sind. Auf jedem Bahnsteig befindet sich ein Rollstuhllifter zur Verladung des Rollstuhls in die Züge. Aufgrund der großen Entfernungen in diesem Bahnhof sollte man mind. 20 Minuten Umsteigezeit einplanen. Die Geschäfte im Bahnhof sind alle gut zugänglich. Eine Ausnahme ist der große Buchladen, dort ist der erste Stock nur über eine Treppe zu erreichen. Auch die Toilette ist für Rollstuhlfahrer gut zu nutzen.

Ausgerechnet der Bahnhof der von Messebesuchern am meisten genutzt wird ist kaum geeignet. Der Bahnhof Köln Messe/Deutz verfügt nur am S-Bahn Bahnsteig über einen Aufzug. Dieser Aufzug führt aber nicht in den Bahnhof selber. Man landet im Zwischendeck des U-Bahn-Zugangs auf halbem Weg zwischen dem Bahnhof und der Lanxess-Arena. Wer mit einem Zug des Fernverkehrs in Köln Deutz ankommt sollte zum Hauptbahnhof fahren und dort in eine S-Bahn steigen oder gleich über die Hohenzollernbrück "zu Fuß" nach Deutz wechseln. Vorsicht ist auch geboten wenn man mit dem ICE nach Köln Deutz tief anreist. Ein Ausstieg ist hier für einen Rollstuhlfahrer kaum möglich da eine Ausstieghilfe nicht gewährt werden kann. Auch das verlassen des einen Bahnsteigs ist nicht möglich.

Der S-Bahn Haltepunkt Köln Hansaring verfügt über einen Mittelbahnsteig der über einen Aufzug zu erreichen ist. Auch ein umsteigen in die U-Bahn ist hier möglich. Ein- und Ausstieghilfe durch die DB ist hier allerdings nicht zu bekommen.

Der Bahnhof Köln Mülheim ist für Rollstuhlfahrer nur auf dem S-Bahn Bahnsteig nutzbar. Dorthin führt ein Aufzug. Ein- und Ausstieghilfe durch die DB ist hier allerdings nicht zu bekommen. Auch das umsteigen in die U-Bahn (Linie 13 und 18) ist von hier aus möglich. Die Regionalbahn-Bahnsteige sind für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich ! Achtung : In Richtung City ist die U-Bahn Linie 13 für Rollstuhlfahrer nur bis zur Haltestelle Wiener Platz nutzbar. Danach ist ein Ausstieg nicht mehr möglich außer in Neusser Strasse/Gürtel und Amsterdamer Straße/Gürtel, danach nicht mehr bis zur Endhaltestelle !

Der neu gebaute Bahnsteig im Bahnhof Köln West ist per Aufzug erreichbar und die dort fahrenden Regionalbahnen können stufenfrei erreicht werden.

1c.) Mobil in Köln mit dem Auto

Quer durch die ganze Stadt gibt es Rollstuhlfahrer-Parkplätze in nahezu ausreichender Zahl. Das Ordnungsamt ist sehr dahinter her Falschparker von diesen Parkplätzen fern zu halten. Leider ist Köln nicht unbedingt eine Auto-freundliche Stadt. Es kommt (vor allem zu den Stoßzeiten) oft zu langen Staus. Vor allem der Weg über eine der Brücken ist im Berufsverkehr immer problematisch.

2.) Shoppen in Köln
Hier liegen Licht und Schatten dicht beieinander. Es gibt immer mal wieder Geschäfte die durch eine Stufe im Eingang für Rollstuhlfahrer nur unter Schwierigkeiten zugänglich sind. Durch die große Zahl der Geschäfte in Köln findet man aber immer eine Alternative. Im Bereich der Innenstadt (Fußgängerzone) sind nahezu alle Läden gut zugänglich. Wenn Geschäfte über mehrere Etagen gehen sind meist Aufzüge vorhanden. Nervig ist das die Fußgängerzone teilweise sehr überlaufen ist und die Fußgänger einen Rollstuhlfahrer gerne mal übersehen.

3.) Event-Locations in Köln

Die meisten Veranstaltungshallen sind für Rollstuhlfahrer nutzbar. Gerade in den kleineren Hallen ist es allerdings vom jeweiligen Konzertveranstalter abhängig wie gut die jeweiligen Rolliplätze geeignet sind. Daher können die folgenden Einschätzungen nur als Anhaltspunkte verstanden werden. Fragt bitte beim jeweiligen Veranstalter nach.

  • Lanxess Arena (Köln Arena) : sehr gut geeignet, rollstuhlgerechte sanitäre Ausstattung. Allerdings sind (für die Größe der Halle) eigentlich zu wenig Rolliplätze vorhanden was eine frühzeitige Buchung von Rollstuhl-Tickets nötig macht.
  • E-Werk
  • Palladium
  • Live Music Hall
  • Balloni Hallen
  • Gürzenich
  • Philharmonie
  • Oper
  • Mülheimer Stadthalle : gut geeignet, rollstuhlgerechte sanitäre Ausstattung
  • Tanzbrunnen (Open Air) : Rollstuhlfahrer stehen meist in der ersten Reihe. Während der Konzerte kommt man da natürlich nicht raus um z.B. auf die Toilette zu gehen. Ansonsten gut geeignet, rollstuhlgerechte sanitäre Ausstattung.
  • Tanzbrunnen Theater : gut geeignet, rollstuhlgerechte sanitäre Ausstattung
  • Rheinenergie-Stadion
  • Senftöpfchen-Theater : ungeeignet da es zu viele Treppen gibt und das ganze Theater zu eng ist.
  • Musical Dome
  • Millowitsch Theater : ungeeignet da es zu viele Treppen gibt und das ganze Theater zu eng ist. Eine Ausrüstung mit einem Aufzug ist aber wohl in Planung.
  • Hänneschen Theater
  • Kölner Lichter : eine Open Air Veranstaltung bei der man sich viel Mühe gibt auch den Rollstuhl-Fahrern gerecht zu werden. Unter anderem werden an vielen Standorten im Veranstaltungsgelände Rollitaugliche Dixi-Toiletten und barrierefreie WC-Container aufgestellt. Generell bietet das linksrheinische Köln mehr Standorte von denen man als Rollifahrer eine gute Sicht hat. Im Bereich Tanzbrunnen/Rheinpark ist das deutlich schwieriger.
3a) Teilnahme an Aufzeichnungen von Shows der RTL Gruppe :

Bei vielen Shows der RTL Gruppe kann man als Studio-Publikum dabei sein. Das geht von Musik-Sendungen wie der Chart-Show über diverse Casting-Shows bis hin zu Comedy-Veranstaltungen.Die Studios in Hürth und in Köln (Schanzenstraße und Ossendorf) sind im Prinzip Rollstuhltauglich. Allerdings können bei jeder Sendung nur eine geringe Zahl Rollstuhlfahrer im Publikum untergebracht werden. Daher muss eine Teilnahme eines Rollstuhlfahrers vorher ausdrücklich mit der Ticket-Agentur abgesprochen werden. Das Personal ist ausgesprochen nett und hilft bei Problemen. Barrierfreie Toiletten stehen leider nicht zur Verfügung.
Tickets bekommt ihr bei Mediabolo TV und beim TV Ticket Service.

4.) Ausgehen in Köln

Die Altstadt kann für Rollstuhlfahrer nicht empfohlen werden. Das liegt zum einen an den aufgrund der räumlichen Enge meist Rollstuhl-untauglichen Lokalen. Zum anderen aber auch an dem sehr groben Kopfstein-Pflaster das ein fahren mit dem Rollstuhl fast unmöglich macht. Wer eine körperlich fitte Begleitperson dabei hat kann natürlich mit angekipptem Rolli auf den Hinterrädern fahren. Dann klappt es auch mit dem Kopfsteinpflaster. Einige Lokale zum Rheinufer hin haben Außengastronomie. Die wäre vom Rheinufer aus erreichbar und so doch von Rollstuhlfahrern nutzbar. Leider sind die Toiletten oftmals im Keller und damit für Rollifahrer nicht erreichbar.

5.) Parkanlagen in Köln

Die Parkanlagen in Köln sind zu fast 100% mit Wegen erschlossen die mit Hartbelag oder sehr fest gewalztem Naturbelag ausgestattet sind. Diese Wege sind eigentlich alle mit normalen Rollstühlen gut befahrbar. Rollstuhltaugliche Toilettenanlagen gibt es allerdings nur im Rheinpark, dort kann (allerdings nur wenn keine Konzerte dort sind) die Toilette im Tanzbrunnen genutzt werden. Hierzu wird ein Euroschlüssel benötigt. Sind im Tanzbrunnen Veranstaltungen kann man vorne am Tanzbrunnen-Theater die Security fragen und dort auf Toilette gehen. Bis jetzt ist uns das nie verweigert worden.

6.) Karneval in Köln
Ein schwieriges Thema. Zu Karneval sind alle Lokale in Köln extrem voll. Das macht den Zugang zu den Lokalen schon schwierig. Wege zur Toilette o.ä. sind dann meist unmöglich.

Veranstaltungen auf Plätzen sind oftmals schon früh sehr überlaufen. Wenn man sehr früh da ist kann man natürlich einen Platz vor der Bühne bekommen. Nur kommt man dann vor Ende der Veranstaltung kaum da raus.

Der Straßenkarneval bietet mehr Möglichkeiten. Beim Rosenmontagszug gibt es spezielle Plätze die für Rollstuhlfahrer freigehalten werden. Hierzu ist allerdings dann eine Karte nötig die kostenlos vom Festkomitee Kölner Karneval ausgegeben wird. Diese Karte kann nur unter Vorlage entsprechender Nachweise am Doppeldecker-Bus auf dem Neumarkt abgeholt werden. Den Termin der Kartenausgabe kann man beim Festkomitee Kölner Karneval erfragen. Achtung, die Karten sind meist sehr schnell vergriffen. Ein Problem ist auch der Weg von den Rollstuhlplätzen wieder weg. Die Straßen sind dann so überlaufen das man sich kaum bewegen kann.

Erfreulicher sind die Feedelszüge. Da es sich um kleinere Züge in den einzelnen Stadtteilen handelt gibt es hier viele nette Plätze an denen genug Platz ist wo man sich auch als Rollifahrer den Zug gut ansehen kann.

Fazit : auch die Teilnahme am Karneval ist mit etwas Planung sehr gut möglich. Wir wünschen euch viel Spaß !



--- in Arbeit ---
Da diese Seite sehr viel Arbeit macht wird ist es leider noch etwas dauern bis sie fertig ist. Wir bitten um Geduld.

Kommentare:

  1. ich bin Sozialarbeiterin und wir waren mit einigen Bewohnern aus unserer Einrichtung- Senioreneinrichtung mit jüngeren Menschen in der Kölner Altstadt- eben Köln bei Nacht. Die beh. Toilette in der handwerkskammer macht wohl gegen 21 Uhr zu und alle anderen Lokale waren zwar freundlich aber WC immer mit Treppe, ob vor dem Lokal Stufen oder eben drinnen. Gibt es eine Broschüre für WCs oder eben auch Kneipen, die ebenerdig sind. Ganz schwierig und rolliunfreundlich. Das ist zwar nichts Neues- aber dennoch sehr ärgerlich. Freue mich auf Rückmeldungen.
    Gruss Susanne
    su_kutsch@yahoo.de

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Susanne,

    leider gibt es eine solche Broschüre für Köln bisher nicht. Wenn ich deutlich mehr Zeit habe werde ich das irgendwann mal in Angriff nehmen. Leider bin ich aber noch voll im Beruf und habe derzeit beim besten Willen keine Zeit dafür. Früher oder später werde ich aber auch hier auf der Seite weitere Informationen veröffentlichen.

    Eine Möglichkeit rund um die Uhr ein Behinderten-WC aufsuchen zu können gibt es aber in jedem Fall : die Toilette im Hauptbahnhof. Da funktioniert auch der bekannte Euro-Schlüssel.

    Viele Grüße, Holger

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Holger,

    ich bin mit meinem Rolli nur schwer über die Schwellen in der U Bahn gekommen.
    Und das obwohl ich einen E Rolli hab. Ist nicht so einfach, auch sind leider die Fahrstühle häufig von Menschen blockiert, die zu bequem sind ein paar Schritte zu laufen.
    Ich würde gerne, wenn ich denn nur könnte...
    Für den informativen Blog danke ich sehr.
    Ich werde in meinem versuchen was ähnliche szu machen.
    Zuimal ich auch begeister Kölner bin.
    Ich liebe meine Stadt sehr, und vor allem meinen FC.

    LG hape

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es gibt bei der KVB schon seit einiger Zeit Bahnen bei denen an der 2. und 3. Tür die Türstufen ein paar Zentimeter abgesenkt sind. Die sind an blauen Rollstuhl-Aufklebern auf den Türen wo die Einstiege geändert wurden zu erkennen. Da diese Bahnen in den letzten Wochen immer mehr werden gehe ich davon aus das man das bei anstehenden Werkstattaufenthalten bei allen Bahnen machen wird. Dein Problem mit dem Einstieg wird also langsam weniger.

      Löschen
  4. Ein wirklich sehr guter Artikel, zur Übersicht der Rollstuhlfreundlichkeit von der Stadt Köln. Sehr schön zu sehen das durch Ihre gute Recherche der Presseartikel zum Thema ″Köln Rollstuhl unfreundliche Stadt“ so nicht hinzunehmen sein kann. Ich finde die Auflistung zu den möglichen Aktivitäten wie zum Beispiel Park oder Ausgehen in Köln als Rollstuhlfahrer sehr informativ. Dieser Artikel hier hilft definitiv jeden Rollstuhlfahrer der eine Reise nach Köln plant weiter.

    AntwortenLöschen